Fehlersuche

dumm gelaufen

Ein Auftragsloch ist für den Übersetzer nicht nur finanziell eine Herausforderung, sondern kann oft auch zu unüberlegten Handlungen führen. Wer verzweifelt ist, der macht Fehler – wie diese wahre Begebenheit aus meinem letzten Auftragsloch beweist.

Donnerstag, 15.30 Uhr

Eine Agentur (mit der ich bereits hin und wieder gearbeitet hatte) schickt eine Anfrage: 487 Wörter IT-DE bis Freitag 09.00 Uhr. Könnte ich das bitte erledigen? Weiterlesen

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Don’t floskel me!

Floskeln

Neulich las ich einen interessanten Bericht über Sprachfloskeln. Dort stand: „Nicht immer sind Floskeln einfach nur ein wenig unschön, sie können auch gefährlich werden.”

Das kann ich unterschreiben. Denn Floskeln sind – genau wie Abkürzungen – für Übersetzer in der Korrespondenz mit dem Kunden oft nicht “nur ein wenig unschön”, sondern auch ganz schön verdrießlich, wenn nicht gar beleidigend.

Was genau aber ist eine Floskel?

Laut Woxikon: Redewendung, Blabla, Gemeinplatz, hohle Worte, leere Redensart, nichtssagende Worte, Plattitüde, Wortgeklingel, Gesums, abgegriffene Wendung, Phrase …

Oft flattert pünktlich am Freitag Nachmittag ein dringender Auftrag ins Postfach, der den Übersetzer das ganze Wochenende an den Schreibtisch fesseln wird. Der Kunde würde gut daran tun, in diesem Fall auf folgende Floskel zu verzichten: „Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!“

Manchmal erhalte ich auch Anfragen, die dann ungefähr so klingen: „Könnten Sie diesen Text für uns übersetzen? Natürlich gegen Bezahlung.“ Ja was denn sonst?

Oder es kommt der berühmt-berüchtigte „Beste Preis“ ins Spiel. „Bitte geben Sie uns Ihren besten Preis.“ Den besten Preis für wen genau? Für mich? Für den Kunden? Oder für die Agentur?

Und dann endet eine Anfrage auch schon mal so: „Die Vergütung erfolgt auf freiberuflicher Basis.“ Das heißt ja mal wirklich gar nichts.

Auch schön: „Wir erwarten, dass Sie beim Preis eine Spannbreite haben.“ Was soll man dazu noch sagen?

Welche Floskeln stören euch am meisten?

 

 

Marktlücke: mittelmäßige Übersetzungen

Premium Übersetzungen

„Sie müssen das nicht so ganz korrekt übersetzen – unsere Kunden gehören nicht zur gebildeten Oberschicht.“

… sagte der Auftraggeber, weil er ein paar Euro einsparen wollte.

Nein danke, antworte ich, denn meine Berufsethik lässt es nicht zu, mittelmäßige Übersetzungen abzuliefern.

Aber was ich für einen absoluten Einzelfall hielt, scheint wohl ein Trend zu sein, der sich so langsam (aber sicher) auf dem Übersetzermarkt einschleicht. Eine Freundin, die für ein großes Unternehmen arbeitet, hat mir diese Mail weitergeleitet, die sie kürzlich als Antwort auf eine Anfrage an eine Übersetzungsagentur erhalten hat.

Gerne bieten wir Ihnen einen Wortpreis von € 0,08 exkl. MwSt. an. Sofern Sie eine Übersetzung in Premiumqualität wünschen, bei der ein zusätzlicher Übersetzer das Proofing vornimmt, können wir Ihnen einen Wortpreis von 0,12€ exkl. MwSt. anbieten.

Meine Freundin fand das ganz witzig, man kann es ja mal versuchen. Wählt der Kunde dann die günstigere Variante, so hat man sich somit bereits gegen eventuelle Beanstandungen abgesichert … ist ja nicht Premium.  Letztendlich hat sie aber einen anderen Übersetzungsdienst beauftragt, bei dem die „Premiumqualität“ der gelieferten Texte Standard ist.

Was haltet ihr davon? Würdet ihr unterschiedliche Qualitäten zu verschiedenen Preisen anbieten? Ist das fair? Ist das schlau? Oder ist das total daneben?

Hier dürft ihr abstimmen – absolut anonym!

photo credit: Unhindered by Talent via photopin cc

And I wonder …

Time Management

Warum sind Übersetzungen inzwischen eigentlich (fast) immer so eilig? Es kann doch nicht sein, dass sich da immer wieder jemand verplant hat.

Jedes Mal, wenn ich eine Mail erhalte, in der ich gebeten werde, meine „best rate“ (wenn ich das schon lese … aber das ist eine andere Geschichte) anzugeben für, was weiß ich, 5000 Wörter – Abgabe: 2 Stunden später –, dann muss ich mich doch fragen: Was ist da bloß schief gelaufen?

Und oft habe ich den Verdacht, da ist gar nichts schief gelaufen, die glauben echt, das wäre eine berechtigte Anfrage.

Aber wenn jemand glaubt, dass es Übersetzer gibt, die in 2 Stunden mehr als ca. 1500 Wörter zufriedenstellend (nicht gut!) übersetzen können, dann hat derjenige überhaupt keine Ahnung was es bedeutet, einen Text von einer Sprache in die andere zu übersetzen.

Natürlich kann mal was daneben gehen, aber doch nicht immer. Dennoch ist es inzwischen schon fast zur Seltenheit geworden, wenn man mal wirklich genügend Zeit hat, sich auf eine Übersetzung zu konzentrieren. Dann macht das Übersetzen auch wieder richtig Spaß.

Meine Lieblingskundin gehört zu dieser inzwischen raren Kundengruppe. Natürlich möchte sie ihre Texte auch so schnell wie möglich übersetzt auf ihrem Schreibtisch haben, aber sie hetzt mich nicht. Sie fragt mich einfach immer, bis wann sie mit der Übersetzung rechnen kann, denn sie muss ja auch planen. Und wenn sie sich mal verplant, was wirklich nicht oft vorkommt, bittet sie mich ganz nett „den Turbo einzuschalten“. Sie ist übrigens auch eine der wenigen, die sich jedes Mal für meine Arbeit bedankt.

Warum schaffen das andere Kunden nicht? Liegt es daran, dass es sie nicht interessiert, wie ein Übersetzer das schaffen kann, sondern nur ob? Oder ist es der steigende Konkurrenzdruck in der Branche? Werden den Endkunden allerlei Versprechen gegeben, die dann der Übersetzer ausbaden muss? Oder steht inzwischen wirklich ganz einfach Quantität vor Qualität?

Ich kann es partout nicht verstehen.

Es muss doch klar sein, dass man von Freitagabend bis Montagmorgen keine 50 Seiten zu irgend einem abstrusen Thema übersetzen kann, ohne a) schlecht gelaunt zu sein, b) zwischendurch zu verzweifeln, c) unter Schlafmangel zu leiden, d) sich nur von Junk Food zu ernähren, e) …

Das bringt doch nichts, weder dem Kunden, noch der Agentur und noch viel weniger dem Übersetzer.

And I wonder …

photo credit: Thwip! (Formerly Macwagen) via photopin cc

Kreative Preisgestaltung

Der Preiskampf tobt in der Übersetzerbranche. Das musste ich erst kürzlich wieder feststellen.

Da mein Auftragsloch sich weiterhin weigert, von dannen zu ziehen, habe ich mich jetzt bei verschiedenen Übersetzungsagenturen beworben: schön brav das Formular ausgefüllt und dann auf Aufträge gewartet. Und die Jobanfragen kommen auch, meist mit der Bitte, die „best rate“ anzugeben. Also sehe ich mir den Text an und informiere die Agentur über meinen besten Preis. Früher hat man ja noch mindestens eine Absage erhalten. Heute hört man einfach gar nichts mehr.

Wie heißt es so schön: „Only monkeys work for peanuts“. Aber auch Affen müssen essen (und Miete bezahlen, Rechnungen …etc.). Nur – wie kriegt man das hin, ohne die Übersetzerehre mit Niedrigstpreisen zu schänden? Weiterlesen

Mehr Aufträge? So klappt das!

Idee!

Wie man im Internet neue Kunden erreicht und den Umsatz steigert

Es gibt eine wirklich geniale Methode, wie man als Freiberufler Auftragslöcher ganz einfach und schnell wieder füllen kann. Ich muss dazu sagen, dass ich aus reinem Zufall auf diese Methode gestoßen bin – aber bei mir hat sie funktioniert!

So ein Auftragsloch ist für einen Freiberufler eine ziemlich fiese Sache. Wenn man sich in den fetten Monaten nicht ein gewisses Sicherheitspolster geschaffen hat, dann kann es schon mal eng werden. Denn die monatlichen Kosten laufen ja weiter, die scheren sich nicht darum, wenn im Auftragskalender gähnende Leere herrscht.

Anfangs genießt man noch die viele Freizeit, die man plötzlich hat. All das, wofür man sonst nie Zeit hatte, kann jetzt endlich erledigt werden. Man räumt den Kleiderschrank auf, probiert Rezepte aus, liest ein paar Bücher oder bastelt am Blog. Aber irgendwann wäre es dann doch ganz nett, wenn wieder ein bisschen Geld in die Kasse fließen würde. Man guckt also alle 5 Minuten ins Postfach, ob sich nicht doch ein Auftraggeber gemeldet hat. Und wenn man mal einen Nachmittag ins Kino oder spazieren geht, kontrolliert man auch dauernd die Mails, ob denn nicht was reingekommen ist. Weiterlesen

Wie lang darf eine Probeübersetzung sein?

Sehr geehrte Frau Hagenz,

vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an einer freien Mitarbeit beim xxx Verlag. Bitte übersetzen Sie den beiliegenden Probetext. (Diese Arbeit kann leider nicht honoriert werden.)

(Anmerkung Übersetzercouch: Der Probetext ist 1800 Wörter lang)

Wir verwenden die neue Rechtschreibung (aktueller Duden, die gelbe Version), bleiben aber bei der alten Zeichensetzung.

Schon jetzt möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die Beurteilung Ihrer Probearbeit etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. Rufen Sie bitte nicht in der Redaktion an, wir werden Sie in jedem Fall benachrichtigen. Bitte sehen Sie grundsätzlich von telefonischen An-Nach- und Rückfragen ab. Termin- und Honorarfragen werden wir mit Ihnen besprechen, wenn Ihre Probearbeit positiv beurteilt wurde. Bitte mailen Sie Ihre Übersetzung innerhalb von ca. 2 – 4 Wochen an mich.

Viel Erfolg!

Mit freundlichen Grüßen

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