Fehlersuche

dumm gelaufen

Ein Auftragsloch ist für den Übersetzer nicht nur finanziell eine Herausforderung, sondern kann oft auch zu unüberlegten Handlungen führen. Wer verzweifelt ist, der macht Fehler – wie diese wahre Begebenheit aus meinem letzten Auftragsloch beweist.

Donnerstag, 15.30 Uhr

Eine Agentur (mit der ich bereits hin und wieder gearbeitet hatte) schickt eine Anfrage: 487 Wörter IT-DE bis Freitag 09.00 Uhr. Könnte ich das bitte erledigen? Weiterlesen

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Ich muss arbeiten!

Home Office

Natürlich nehme ich gerne die Post meiner Nachbarn entgegen, denn die müssen ja arbeiten. Ja, ich kann das auch für die Nachbarn erledigen, die zwei Häuser weiter wohnen. Kein Thema. Ich bin ein netter Nachbar, ich helfe gern mal aus.

Und selbstverständlich darf die Putzfrau bei mir klingeln, um den Schlüssel für die Wohnung über mir abzuholen, keine Frage. Die gute Frau von oben ist nämlich tagsüber an der Arbeit. Ich kann auch ohne Weiteres am späten Vormittag mal kurz nach unten gehen, um nach der Katze zu sehen, die gestern operiert wurde. Denn die tierliebenden Besitzer müssen ja auch arbeiten.

Was ich aber nicht mehr machen kann, ist euch zum Kaffee/Tee/Wein/Bier einladen, wenn ihr an eurem wohlverdienten Feierabend bei mir klingelt, um euch für meine Nachbarschaftsdienste zu bedanken (oder um eure Pakete abzuholen).

Denn irgendwann muss ich auch arbeiten!

photo credit: Matt Northam via photopin cc

Minimum Charge

Mindestpauschale

Man lernt ja bekanntlich nie aus – Deshalb werfe ich immer wieder gerne einen Blick auf die Websites von Kollegen, um zu sehen, wie die so arbeiten. Und immer wieder lese ich da Sätze wie diese:

Die Übersetzungsgebühr ist für große Projekte zu vereinbaren, für kleine Projekte gilt eine Mindestgebühr von xxx Euro.

Für Übersetzungen von weniger als xxx Normzeilen berechnen wir eine Mindestpauschale von xxx Euro.

Ich persönlich konnte mich bisher mit der Idee einer Mindestgebühr noch nicht so richtig anfreunden. Das mag auch daran liegen, dass ich vor allem mit treuen Stammkunden arbeite, für die ich zwischendurch auf die Schnelle auch gerne mal sehr kurze Texte übersetze. Da ich für diese Kunden generell eine Monatsrechnung ausstelle, ist der Aufwand sehr gering, und ich biete einen zusätzlichen Service. Weiterlesen

Das macht unsere Praktikantin, das ist billiger …

Die Praktikantin

Wenn die Woche (und der Monat!) schon so anfängt, dann kann es ja nur noch besser werden!

 

Hallo Frau Hagen!

Das Dokument im Anhang (ca. 4000 Wörter) muss übersetzt werden. Können Sie mir dafür bitte ein Angebot erstellen.

 

Hallo Herr xxx!

Gerne kann ich diese Aufgabe übernehmen. Mein Angebot: xxx Euro.

 

Hallo Frau Hagen!

Danke … aber für eine Stunde Arbeit finde ich xxx Euro schon reichlich teuer. Zumal es nur eine zweite, überarbeitete Auflage ist. Die erste Auflage hatten wir damals schon extern übersetzen lassen … mit ernüchterndem Ergebnis. 😦

Eine unserer Werkstudentinnen mit guten Deutsch und Englisch Noten im Abi hat sich jetzt an das Dokument gesetzt. Insofern hat sich der Fall erstmal erledigt.

 

Hallo Herr xxx!

Geht klar.

 

 

photo credit: Igor Bertyaev via photopin cc

And I wonder …

Time Management

Warum sind Übersetzungen inzwischen eigentlich (fast) immer so eilig? Es kann doch nicht sein, dass sich da immer wieder jemand verplant hat.

Jedes Mal, wenn ich eine Mail erhalte, in der ich gebeten werde, meine „best rate“ (wenn ich das schon lese … aber das ist eine andere Geschichte) anzugeben für, was weiß ich, 5000 Wörter – Abgabe: 2 Stunden später –, dann muss ich mich doch fragen: Was ist da bloß schief gelaufen?

Und oft habe ich den Verdacht, da ist gar nichts schief gelaufen, die glauben echt, das wäre eine berechtigte Anfrage.

Aber wenn jemand glaubt, dass es Übersetzer gibt, die in 2 Stunden mehr als ca. 1500 Wörter zufriedenstellend (nicht gut!) übersetzen können, dann hat derjenige überhaupt keine Ahnung was es bedeutet, einen Text von einer Sprache in die andere zu übersetzen.

Natürlich kann mal was daneben gehen, aber doch nicht immer. Dennoch ist es inzwischen schon fast zur Seltenheit geworden, wenn man mal wirklich genügend Zeit hat, sich auf eine Übersetzung zu konzentrieren. Dann macht das Übersetzen auch wieder richtig Spaß.

Meine Lieblingskundin gehört zu dieser inzwischen raren Kundengruppe. Natürlich möchte sie ihre Texte auch so schnell wie möglich übersetzt auf ihrem Schreibtisch haben, aber sie hetzt mich nicht. Sie fragt mich einfach immer, bis wann sie mit der Übersetzung rechnen kann, denn sie muss ja auch planen. Und wenn sie sich mal verplant, was wirklich nicht oft vorkommt, bittet sie mich ganz nett „den Turbo einzuschalten“. Sie ist übrigens auch eine der wenigen, die sich jedes Mal für meine Arbeit bedankt.

Warum schaffen das andere Kunden nicht? Liegt es daran, dass es sie nicht interessiert, wie ein Übersetzer das schaffen kann, sondern nur ob? Oder ist es der steigende Konkurrenzdruck in der Branche? Werden den Endkunden allerlei Versprechen gegeben, die dann der Übersetzer ausbaden muss? Oder steht inzwischen wirklich ganz einfach Quantität vor Qualität?

Ich kann es partout nicht verstehen.

Es muss doch klar sein, dass man von Freitagabend bis Montagmorgen keine 50 Seiten zu irgend einem abstrusen Thema übersetzen kann, ohne a) schlecht gelaunt zu sein, b) zwischendurch zu verzweifeln, c) unter Schlafmangel zu leiden, d) sich nur von Junk Food zu ernähren, e) …

Das bringt doch nichts, weder dem Kunden, noch der Agentur und noch viel weniger dem Übersetzer.

And I wonder …

photo credit: Thwip! (Formerly Macwagen) via photopin cc

Können Sie mal bitte kurz …

Können Sie mal bitte kurz ...

Es gibt Auftraggeber, die uns Übersetzer oft und gerne mit einer (oder ihrer!) Sekretärin verwechseln. Stopp, nichts gegen Sekretärinnen natürlich, aber das wäre ja als würde man den Viehzüchter mit dem Metzger vergleichen, oder den Koch mit dem Bäcker, oder so.

Wie dem auch sei, so schreibt mir ein Kunde neulich:

Liebe Frau Hagen,

Sie haben letzten Monat einen Seo-Text über Heckenscheren für uns übersetzt. Wir hatten Sie gebeten, das Keyword „Hecken-Schere“ mit Bindestrich zu verwenden. Nach einer erneuten Keywordrecherche hat es sich nun leider herausgestellt, dass es aus seo-technischen Gründen besser wäre, das Wort „Heckenschere“ ohne Bindestrich zu verwenden. Können Sie das bitte kurz ausbessern?

Mit freundlichen Grüßen,

Xxx

***

Lieber Herr xxx,

Das kann ich gerne machen, zu einem Stundenpreis von 60 Euro.

Sonnige Grüße,

Angelica Hagen

***

Liebe Frau Hagen,

Dieser Service ist nicht im Preis für die Übersetzung enthalten? Na ja, dann hab ich wohl den Schwarzen Peter gezogen und muss es jetzt selbst machen. Das ist wirklich ärgerlich, es ist ja nicht so, dass ich sonst nichts zu tun hätte.

MfG,

xxx

 
photo credit: Leo Hidalgo (@yompyHERE) via photopin cc

Love your translator

Love your translator

Eine Initiative zur Wertschätzung von professionellen Übersetzern und Dolmetschern und ihrer täglichen Arbeit.

Nachdem es ja immer noch Menschen gibt, die denken, dass Übersetzer …

a)     … eher ein Hobby als ein richtiger Beruf ist.

b)     … Hausfrauen und Harz-Vier-Empfängern mit einem Minimum an Sprachtalent ein kleines Nebeneinkommen ermöglicht.

c)      … seit Google Translate ihre Berechtigung auf dem Arbeitsmarkt verloren haben.

d)     … ich könnte diese Liste unendlich weiterführen …

… haben die zwei Übersetzerinnen Marie-Luise Groß und Anja Müller die Bewegung LOVE YOUR TRANSLATOR ins Leben gerufen.

Eine grandiose Idee!

Denn LOVE YOUR TRANSLATOR beschränkt sich nicht darauf, einfach nur zu jammern und anzuprangern, nein, hier wird aktiv gehandelt! Weiterlesen