Fehlersuche

dumm gelaufen

Ein Auftragsloch ist für den Übersetzer nicht nur finanziell eine Herausforderung, sondern kann oft auch zu unüberlegten Handlungen führen. Wer verzweifelt ist, der macht Fehler – wie diese wahre Begebenheit aus meinem letzten Auftragsloch beweist.

Donnerstag, 15.30 Uhr

Eine Agentur (mit der ich bereits hin und wieder gearbeitet hatte) schickt eine Anfrage: 487 Wörter IT-DE bis Freitag 09.00 Uhr. Könnte ich das bitte erledigen?

Ich hatte 8 Tage lang kein Wort übersetzt und bin froh über jeden Auftrag. Die Agentur bietet zwar nur meinen Mindestpreis, aber der Text ist sehr einfach, also schreibe ich zurück:

Ja, kann ich machen.

  1. Fehler: Ich hätte mir etwas mehr Zeit nehmen müssen (die ich ja hatte) und meine Antwort in etwa so formulieren sollen:

Ja, kann ich machen. Zum Wortpreis von xxx. Abgabe Freitag, 09.00 Uhr, wenn die Auftragsbestätigung (Purchase Order) vor und nicht später als 17.00 Uhr (MEZ) eintrifft. E-Mails, die nach 17.00 Uhr eintreffen, werden ab 09.00 Uhr morgen früh bearbeitet und ein neuer Abgabetermin kann vereinbart werden.

Immer daran denken: Der Teufel liegt im Detail! Nur leider habe ich mich aus Freude/Verzweiflung für die erste – kurze – Fassung entschieden.

Als ich um 17.00 Uhr immer noch keine Antwort erhalten hatte, schreibe ich eine zweite Mail:

Ich bin noch bis 17.30 im Büro – bitte bestätigen Sie den Auftrag.

Um 18.00 Uhr erhalte ich eine Antwort: Der Kunde hat sich leider noch nicht zurückgemeldet, man bittet um Verständnis.

  1. Fehler: Ich hätte spätestens um 17.30 Uhr meinen Computer ausschalten sollen. 487 Wörter zum Mindestpreis sind so viel Aufregung nicht wert. Auch nicht im tiefsten Auftragsloch.

Freitag, 10.00 Uhr

Der Kunde hat beschlossen, die Übersetzung von einer Mitarbeiterin erledigen zu lassen, er möchte nun nur mehr eine Korrektur. Sollte bis 11.00 Uhr erfolgen.

Kann ich gerne erledigen. Da es sich aber um eine reine Google-Übersetzung handelt, muss ich einen Wortpreis von xxx Euro berechnen.

  1. Fehler: In meiner Eile, aus diesem Fiasko dennoch ein paar Euro rauszuholen, habe ich es (schon wieder!) verpasst, einen Aufschlag für Eilaufträge zu berechnen.

Die Antwort erfolgt prompt: Geht in Ordnung, bitte sofort anfangen.

  1. Fehler: Ich beginne mit der Übersetzung, bevor ich eine PO im Postfach habe!

Der Text ist wirklich sehr einfach, und um 10.50 bin ich damit durch und sende ihn der Agentur zurück, mit der Bitte nach einer PO (5. Fehler).

Um 16.30 Uhr erhalte ich folgende Antwort von der Agentur:

Der Kunde ist mit Ihrer Version der Übersetzung zufrieden, hat aber beschlossen, nur 15 Euro dafür zu bezahlen. Im Anhang finden Sie Ihre Purchase Order. Vielen Dank!

Note to myself

Anhalten – Nachdenken – Handeln … IMMER!

 

photo credit: laurabillings via photopin cc

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5 Antworten zu “Fehlersuche

      • Eben. Da würde ich erwarten, dass man den Anschiss noch drei Straßen weiter hören würde und man selbst sofort zur persona non grata „aufsteigt“.

        Doof. Ich würde mir kleinkariert und humorlos vorkommen, statt „Ja, kann ich machen“ den von Dir vorgeschlagenen Text mit Wortpreis, Fristen und Erreichbarkeit zu verwenden. Aber offensichtlich ist es sehr nötig, das zu tun.

        Gut, wenn man mit Kunden direkt verhandelt, dazu noch mit Neukunden, mag das noch einleuchten. Aber bei einer Agentur, mit der man schon gearbeitet hat, hätte ich da auch mehr, hm, Anstand oder Solidarität erwartet. Die sollten ja Deine Bedingungen kennen und auch respektieren.

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