Kreative Preisgestaltung

Der Preiskampf tobt in der Übersetzerbranche. Das musste ich erst kürzlich wieder feststellen.

Da mein Auftragsloch sich weiterhin weigert, von dannen zu ziehen, habe ich mich jetzt bei verschiedenen Übersetzungsagenturen beworben: schön brav das Formular ausgefüllt und dann auf Aufträge gewartet. Und die Jobanfragen kommen auch, meist mit der Bitte, die „best rate“ anzugeben. Also sehe ich mir den Text an und informiere die Agentur über meinen besten Preis. Früher hat man ja noch mindestens eine Absage erhalten. Heute hört man einfach gar nichts mehr.

Wie heißt es so schön: „Only monkeys work for peanuts“. Aber auch Affen müssen essen (und Miete bezahlen, Rechnungen …etc.). Nur – wie kriegt man das hin, ohne die Übersetzerehre mit Niedrigstpreisen zu schänden?

Dann habe ich auf Facebook folgendes Foto entdeckt:

Good Service(photo credit: InnocentEnglish.com)

 Tolle Idee – das lässt sich doch bestimmt auch auf meine Preisgestaltung anwenden!

Natürlich mit Vorbehalten.

Ich weigere mich, „schlechte“ Übersetzungen abzuliefern. Es gab schon Kunden, die meinten, für ein paar Euro weniger könnten sie auf die Rechtschreibprüfung oder das Korrekturlesen verzichten. Da spiele ich nicht mit, das erlaubt mir meine Berufsehre nicht. Und ja, ich finde es nicht nur unverschämt, sondern auch beleidigend, wenn man Wortpreise angeboten bekommt, bei denen man mehrmals die Nullen zählen muss, bis man kapiert, wie wenig das ist.

Woran man aber drehen kann, ist das Preis-Zeit-Verhältnis.

Natürlich kann ich 3000 Wörter für 0,06 Euro pro Wort übersetzen, wenn ich dafür 4 Wochen Zeit habe. Das sind bei 5 Arbeitstagen pro Woche 150 Wörter am Tag – das kann ich ganz gemütlich nebenher erledigen, während ich mich „hauptberuflich“ um die lukrativeren Aufträge kümmere. 180 Euro in der Tasche.

Ich kann die 3000 Wörter aber auch bis morgen um 16 Uhr übersetzen, wenn der Kunde mir 0,20 Euro pro Wort bezahlt. Da bin ich ganz flexibel!

Und nein, ich kann die 15.672 Wörter nicht bis morgen früh um 8 Uhr übersetzen, egal zu welchem Preis.

Ich werde diese Methode jetzt bei allen meinen Kundenanfragen anwenden.

Mal sehen was passiert. Man darf gespannt sein!

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5 Antworten zu “Kreative Preisgestaltung

  1. Es fehlt, glaube ich, oft das Bewusstsein, was für Leistung ein Übersetzer erbringt. Das ist ja nicht einfach „Schreimsedasma auf Englisch“, da steckt ja immer mehr drin. Aber wenn man das nicht sieht bzw. nicht sehen will, hat man auch keinen Grund, angemessen zu bezahlen. Bescheuert, dass die Leute, die am kürzesten Hebel sitzen, die am längeren Hebel in der Hinsicht erziehen müssen…

      • Ach was, das „schnell“ versteht sich von selbst. Klar, wenn Du die 15.672 bis zum Frühstück noch schaffen willst, musst Du Dich ranhalten, aber im Prinzip geht sowas doch ohne nennenswerten Zeitaufwand zu übersetzen.

        Dreiviertel der Formulierungen hast Du sicher sowieso schon im Translation Memory, da musst Du ja nicht mal mehr für arbeiten, das läuft doch seitenweise auf „translate to fuzzy“ durch, und Du must dann nur beim Kaffee nochmal schräg drüberschauen 😉

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