Nützliche Irrtümer

Innerhalb eines Jahres lernte er Niederländisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch. Doch ein Sprachtalent ist noch lange kein Forscher.

Man nahm ihn nicht ernst. Man konnte und wollte ihn nicht ernst nehmen, diesen Möchtegernforscher, diesen Dilettanten und Aufschneider. Die deutschen Altertumsforscher, die deutschen Wissenschaftler an den Universitäten überhaupt hatten ein starkes, ein unerschütterliches Ständebewusstsein, das dem des preußischen Militärs kaum nachstand. Heinrich Schliemann war Kaufmann. Das Gymnasium hatte er abbrechen müssen, den Eltern fehlte das Geld. Der junge Mann begann eine Lehrzeit als Handelsgehilfe bei einem Krämerin seiner mecklenburgischen Heimat. Kränklich war er auch. Er versuchte sein Glück in Hamburg, fand aber nur eine Stelle als Lagerarbeiter und erkrankte erneut. Völlig verarmt beschloss er, auszuwandern, nach Südamerika. Das Schiff strandete jedoch schon vor der niederländischen Insel Texel. Er gelangte nach Amsterdam erhielt eine Stellung als Kontorbote und begann, Fremdsprachen zu lernen. Viele Sprachen. Innerhalb eines Jahres lernte er Niederländisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch. Doch ein Sprachtalent ist noch lange kein Forscher.

Nützliche Irrtümer (von Dirk Müller)

Irren ist nützlichIrren ist menschlich – das ist eine Binsenweisheit. Irren ist nützlich – was soll das bitte heißen? An diesem Satz ist mehr Wahres, als man gewöhnlich denkt. Davon handelt dieses Buch: vom im Boden herumirrenden Regenwurm, von im Regenwald herumirrenden Eroberer, vom im Dschungel der Theorien herumirrenden Wissenschaftler. Nicht alle finden am Ende ihr Ziel, manche wissen nicht einmal so recht, wonach sie suchen sollen. Doch alle haben etwas gemeinsam: Am Ende steht irgendein Nutzen für irgendwen – nicht immer für den (Herum-)Irrenden selbst, oft für einzelne Gruppen, manchmal jedoch für die gesamte Menschheit. Alle Irrtumslexika seit dem „Lexikon der populären Irrtümer“ haben vorausgesetzt, dass Irrtümer etwas Negatives sind. Hier werden Irrtümer endlich einmal als unter Umständen positiv gesehen. Das Buch greift Ansätze des renommierten Philosophen und Wissenschaftstheoretikers Jürgen Mittelstraß auf und setzt diese allgemein verständlich und unterhaltsam um.

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